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Ratgeber: Matratzen

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Je teurer die Matratze, desto besser? Um den Matratzenkauf ranken sich viele Mythen – wir zeigen Euch, worauf Ihr wirklich achten müsst!

Ein gesunder und erholsamer Schlaf ist so ziemlich jedem Menschen wichtig. Einen beachtlichen Beitrag hierzu leistet die passende Matratze. Bedenkt man, dass man 1/3 seines Lebens schlafend verbringt (das muss man erst einmal sacken lassen!), scheint es fast fahrlässig, sich bei der Wahl der richtigen Matratze nicht genau zu informieren. Was muss also beim Kauf beachtet werden?

Es gibt viele Mythen rund um die perfekte Matratze. Dick muss sie sein, am besten aus innovativem Gelschaum und natürlich ist sie nur in Verbindung mit einem ebenso teuren Lattenrost wirklich effektiv. Qualität hat eben ihren Preis.
Doch was ist wirklich an diesen Behauptungen dran? Muss es die 1.000-€-Matratze sein oder reicht auch ein preiswerteres Modell? Brauche ich ein teures Lattenrost dazu? Und kann ich die Lebenszeit meiner neuen Matratze mit einem Schoner verlängern?
Wir verraten euch, was beim Matratzenkauf wirklich zu beachten ist.

Inhaltsverzeichnis

Wie oft sollte eine neue Matratze gekauft werden?

Es empfiehlt sich, etwa alle zehn Jahre eine neue Matratze zu kaufen. Nach dieser Zeit sind die meisten Matratzen so weit durchgelegen, dass sie den Körper nicht mehr optimal stützen und somit Rückenschmerzen und Verspannungen auftreten können. Es ist ratsam, sich eine neue Matratze anzuschaffen, wenn die alte eine Kuhle hat und auch nach längerem Auslüften noch unangenehm riecht.

Pflege & Reinigung

Die Langlebigkeit einer Matratze lässt sich verlängern, indem man sie etwa alle zwei bis drei Monate wendet, so dass die Matratze in Form bleibt und sich nicht nur punktuell abnutzt. Auch hilft es, den Bezug regelmäßig zu waschen und bei sonnigem Wetter die Matratze für einige Zeit den UV-Strahlen der Sonne auszusetzen. Dies tötet Bakterien ab. Die Schaumstoffmatratze ist am leichtesten zu reinigen, auch, weil sie am schnellsten trocknet. Zur Reinigung eignet sich Polsterreiniger bestens. Für härtere Fälle kann Enzymreiniger verwendet werden.

Welcher Härtegrad?

Nichts ist schöner, als sich nach einem anstrengenden Tag in sein Bett im Schlafzimmer fallen zu lassen. Wie weich man fällt, ist Geschmackssache. Trotzdem empfiehlt es sich, bei der Wahl des Härtegrads das eigene Gewicht und die Körpergröße zu berücksichtigen. Pauschal gilt: je größer und je schwerer, desto höher der Härtegrad, wobei H1 der niedrigste und H5 der höchste ist. H5 empfiehlt sich erst ab einem Körpergewicht von 130kg. Für die Härtegrade gibt es übrigens keine einheitliche Norm. Also lieber Probe liegen und auf das eigene Liegegefühl vertrauen.
Achtung: Zu weiche Matratzen führen dazu, dass die Wirbelsäule durchhängt. Dies kann längerfristig zu Rückenproblemen führen.
Zu harte Matratzen belasten die Schulter und können die Wirbelsäule verkrampfen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind harte Matratzen also nicht zwangsläufig gut für den Rücken.

Welche Matratzentypen gibt es?

Es gibt vier gängige Arten von Matratzen. Sie alle unterscheiden sich in ihrer Bauform und dem verwendeten Material.
Die Federkernmatratze ist der altbewährte Klassiker unter den Matratzen. Man unterscheidet hier wiederum zwischen der einfachen Federkernmatratze, der Bondellfederkernmatratze, der Taschenfederkernmatratze und der Tonnentaschenfederkernmatratze.
Bei der Federkernmatratze sind die Federn miteinander verbunden, was sie flächenelastisch macht. Das heißt: die Matratze gibt auch im weiteren Bereich um den Druckpunkt nach.
Bondellfederkernmatratzen sind die preiswertere Variante. Die Stahlfedern liegen hier neben- und übereinander und sind von Stoff umgeben. Diese Matratze passt sich dem Körper besser an als die einfache Federkernmatratze.
Die Taschenfederkernmatratze leistet hierbei noch bessere Arbeit. Hier ist jede Feder einzeln in Vlies eingenäht und es geben nur die Federn nach, die belastet werden. Das heißt die Taschenfederkernmatratze ist besonders punktelastisch.
Ein beliebtes Modell ist schließlich die Tonnentaschenfederkernmatratze. Sie ist besonders punktelastisch, da sie kleinere Federn hat, die, wie bei der Taschenfederkernmatratze, einzeln in einer Stoffhülle liegen und hier nur mittig verbunden sind. Die Tonnentaschenfederkernmatratze ist kühler als andere Matratzen, was manche stört und andere wertschätzen.
Eine bessere Isolierung bieten Boxspringbetten. Anders als bei herkömmlichen Betten setzt sich diese Art Bett meist aus gleich zwei Matratzen zusammen. Den Unterbau bildet meist eine Federkernmatratze. Obenauf liegt, je nach Bauart, z.B. eine Matratze aus Schaumstoff. Somit ist das Boxspringbett deutlich höher, wodurch das Hinlegen und Aufstehen erleichtert wird. Ein Nachteil ist jedoch, dass die Betten meist teuer, sperrig und schwer zu transportieren sind.
Wahre Schwergewichte sind auch die Latexmatratzen. Diese können bis zu 25 Kilo auf die Waage bringen. Meist bestehen sie aus synthetischem Latex. Nur selten werden Anteile von natürlichem Kautschuk verarbeitet. Latexmatratzen sind sehr punktelastisch, was für ein weiches und zugleich stützendes Liegegefühl sorgt. Zudem sind Latexmatratzen lange haltbar, da Schweiß und Wärme dem Latex nur wenig ausmachen. Allerdings ist dieser Matratzentyp nicht unbedingt für starke Schwitzer zu empfehlen, da die Feuchtigkeit nur mäßig abtransportiert wird.
Dies ist auch bei Kaltschaummatratzen der Fall. Sie bestehen aus aufgeschäumtem Polyurethan und werden entweder aus einem einheitlichen Block geschnitten oder aus verschiedenen Schaumstoffkomponenten zusammengeklebt. Die unterschiedliche Dichte und Dicke der Schaumstoffelemente im Inneren sollen den liegenden Körper optimal stützen. Die Kaltschaummatratze ist leicht und daher einfach zu wenden. Sie bietet eine gute Wärmeisolierung und lässt sich zudem gut reinigen. Deswegen ist sie besonders beliebt, wenn es um die passende Matratze für Kinder geht. Jedoch können durch Feuchtigkeit und Wärme spürbare Liegemulden entstehen. Wichtig ist auch ein feuerfester Überzug, da der Schaumstoff leicht entflammbar ist.

Welche Qualitätskriterien sind für eine Matratze wirklich ausschlaggebend?

Im Schlaf wechselt man mehrmals seine Schlafposition. Um Liegekuhlen zu vermeiden, ist eine gut verarbeitete Matratze wichtig. Doch welche Merkmale zeichnen eine hochwertige Matratze aus?

  • Das Raumgewicht ist ein entscheidendes Merkmale für die Qualität einer Matratze. Es gibt an, wie viel Kilogramm Rohmasse in einem Kubikmeter Schaumstoff aufgeschäumt wurden. Ein hoher Raumgewichtwert steht für eine hohe Elastizität und Langlebigkeit der Matratze. Der RG-Wert einer guten Matratze sollte bei 40 oder mehr liegen.
  • Die Gesamthöhe einer Matratze ist vor allem für Menschen, die vornehmlich auf der Seite schlafen, von Bedeutung. Hierbei gilt jedoch nicht wie oftmals angenommen, dass eine Matratze umso besser ist, wenn sie höher ist. Wichtig ist nur, dass im Schlaf die Schulter die Matratze so weit eindrückt, dass diese quasi auf dem Lattenrost liegt. Mehrere Tests haben ergeben, dass die Schulter jedoch nur maximal 13 cm einsinkt. Somit ist eine Matratze mit einer Gesamthöhe von 16 bis 18 cm vollkommen ausreichend.
  • Ein wichtiges Qualitätsmerkmal, vor allem bei Federkernmatratzen, ist die Stauchhärte. Sie beschreibt, wie weich der Schaum ist. Umso höher die Stauchhärte ist, umso eher gelangt der Schaum nach Veränderung der Schlafposition wieder in seinen Ausgangszustand zurück. Vor allem Menschen mit einem höheren Körpergewicht sollten auf Matratzen mit einem Stauchhärtewert von etwa 40kPa (Kilopascal) zurückgreifen. Für leichte Menschen und Kinder ist bereits ein Wert von 30kPa ausreichend.
  • Häufig findet man bei Matratzen eine Einteilung in Liegezonen. Durch die unterschiedliche Härte in den verschiedenen Zonen soll eine exakte Anpassung des Körpers an die Matratze gewährleistet werden. So gibt es 3-Zonen-Matratzen, 5-Zonen-Matratzen oder gar 7-Zonen-Matratzen. Viel hilft aber in diesem Fall nicht viel: Experten raten davon ab, auf ein Modell mit mehr als 3 Zonen zurückzugreifen. Grund hierfür ist, dass jeder Mensch unterschiedlich groß ist. Deshalb kann er bei zu vielen Liegezonen gar nicht optimal auf der Matratze liegen.

Welche Matratze für welchen Schlaftyp?

Generell gilt, dass eine gute Matratze eigentlich für jeden Typ Mensch geeignet sein sollte. Stiftung Warentest fand im Oktober 2015 jedoch heraus, dass keine der von ihnen getesteten Matratzen dieses Kriterium erfüllt. Die meisten Matratzen sind eher auf kleine und leichte Personen ausgerichtet. Schwieriger wird es, eine passende Matratze für große, schwere Menschen zu finden. Für sie sind harte Matratzen besonders geeignet, da sich hier nicht so schnell Liegemulden bilden und daher das Umdrehen im Schlaf leichter fällt.
Neben dem Körperbau spielt aber auch der Schlafstil bei der Auswahl der richtigen Matratze eine entscheidende Rolle. Bei Rückenschläfern sollte die Matratze die Doppel-S-Form der Wirbelsäule erhalten, bei Seitenschläfern sollte sie das Becken und die Schulter so weit einsinken lassen, dass die Halswirbelsäule und das Steißbein eine gerade Linie bilden.

Muss zu der neuen Matratze auch gleich ein neuer Lattenrost gekauft werden?

Ein klares Nein. Auch wenn viele Verkäufer empfehlen, ein abgestimmtes System aus Matratze und Lattenrost zu kaufen, kommt Stiftung Warentest zu einem anderen Ergebnis. Sie testeten drei hochwertige Matratzen, jeweils einmal auf dem empfohlenen Lattenrost und einmal auf einer starren Holzplatte. Das Ergebnis überrascht: Eine Matratze bietet auf der Spanplatte sogar etwas bessere Liegeeigenschaften, bei einem anderen Modell konnte kein Unterschied der Liegeeigenschaften zwischen Spanplatte und Lattenrost festgestellt werden. Nur eine Matratze wies auf dem empfohlenen Lattenrost etwas bessere Liegeeigenschaften nach.
Fazit: Der Kauf eines neuen, hochwertigen Lattenrostes ist nur in wenigen Fällen notwendig. Selbst ein günstiger Lattenrost kann zwanzig Jahre und mehr halten. Der Lattenrost ist vor allem für eine ausreichende Luftzirkulation wichtig, nicht jedoch so sehr für den Liegekomfort.

Helfen Topper und Schoner die Langlebigkeit einer Matratze zu verbessern?

Gerne werden zu der neuen Matratze gleich auch noch Matratzenschoner bzw. Matratzentopper mit verkauft. Ein Schoner soll von unten verhindern, dass die Matratze zu sehr auf dem Lattenrost reibt und dadurch schneller abgenutzt wird. Ein Topper sorgt von oben dafür, dass keine Feuchtigkeit in den Matratzenkern gelangt.
Experten raten von der Nutzung dieser jedoch ab. Die Matratze kann durch die zusätzlichen Lagen die Feuchtigkeit nur schlecht wieder an die Raumluft abgeben fängt leichter an zu schimmeln. Außerdem können die Auflagen die Liegeeigenschaften verändern. Anstelle einer Auflage reicht es vollkommen aus, den Bezug regelmäßig zu waschen.

Wie viel kostet eine gute Matratze?

Qualität hat seinen Preis. Dieser Spruch gilt nur bedingt für eine gute Matratze. Stiftung Warentest bewertete viele Matratzen für unter 300€ mit der Gesamtnote „gut“. Teurere Produkte schnitten bei dem Test nicht unbedingt besser, teilweise sogar schlechter ab. Der Testsieger kostet gerade einmal 199€. Eine gute Matratze ist als Aktionsware bereits ab 70€ zu erhalten. Als Richtschnur sollte man sich beim Matratzenkauf jedoch am besten im mittleren Preissegment bei 200-500 € bewegen.

Matratzen online kaufen – eine gute Option?

Mittlerweile gibt es auch in der Welt der Matratzen viele Online-Anbieter. Der Nachteil liegt auf der Hand: man kann vor dem Kauf nicht probe-liegen. Dieser Problematik sind sich Online-Anbieter wie Snooze Project oder Bruno bewusst und bieten deswegen Testphasen von bis zu 100 Tagen an, in denen man die Matratze ausprobieren darf. Sollte man dann unzufrieden sein, bekommt man sein Geld voll zurückerstattet. Bietet ein Online-Händler keine Testphase an, ist von dem Kauf abzuraten. Manche Händler bieten das Probeliegen nur mit Schutzfolie an – auch das ist nicht empfehlenswert, da es keinen Eindruck des tatsächlichen Liegeerlebnisses bietet.

Was sollte ich noch beachten?

Das sie Matratze höchsten Komfort bietet, hat natürlich Priorität. Trotzdem sollte man beim Kauf einer Matratze auch nicht vergessen, dass man diese etwa vier Mal im Jahr wenden sollte. Und das ist natürlich einfacher, je leichter eine Matratze ist. Im Zweifelsfall sollte man sich also für das leichtere Modell entscheiden. Gute Matratzen haben außerdem Haltegriffe an den Seiten, die das Wenden zusätzlich erleichtern. Der nächste Umzug wird dadurch auch etwas weniger anstrengend.

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