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Leonie

Pionierin der Moderne: Designerin Eileen Gray im Porträt

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„It’s a man’s world“ – auf die Welt des Designs trifft das auch heute noch oft zu. Einige Frauen haben dennoch allen Widrigkeiten zum Trotz ihr Talent an die Öffentlichkeit bringen und einen Platz in der Design-Geschichte ergattern können. So zum Beispiel Eileen Gray: Sie kombinierte Glas mit Stahlrohr noch vor Le Corbusier, schuf mit dem Adjustable Table E1027 einen wahren Klassiker und war zudem eine begabte Architektin. Wir stellen sie euch vor!

Wenn man sich Grays Möbelstücke heute ansieht, ist es kaum vorstellbar, dass die Designs bald 100 Jahre alt sind. Die klaren Linien, die Verwendung verschiedener Materialien und ihre von Verschnörkelungen befreite Funktionalität machen Stücke wie die Tube Light Stehleuchte oder das Day Bed zu ewigen Zeitreisenden.
1878 in Irland geboren, durchlief Eileen Gray keinen klassischen Ausbildungsweg. Nach ihrem Studium als eine der ersten Frauen an der Slade School of Fine Art in London, ließ sie sich von einem japanischen Lack-Künstler den Umgang mit Lack beibringen. In Paris nahm sie anschließend an zwei Kunstakademien gleichzeitig Zeichen- und Malunterricht.

Inspirationen in Paris

Als Gray im Jahr 1900 die Weltausstellung in Paris besuchte, veränderte sich ihr Leben schlagartig. Die der stilistischen Richtung des Art Nouveau gewidmete Riesenveranstaltung stellte unter anderem die Werke des experimentellen Architekten Charles Rennie Mackintosh aus, dessen strengen scharf geschnittenen Möbel sie sehr beeindruckten und in späteren Werken stark beeinflussten. Die Ausstellung frönte dem damals herrschenden Fortschrittsoptimismus und stellte verschiedenste technologische Errungenschaften vor, unter anderem die erste Metro Linie, die je durch Paris fuhr, Lichtinstallationen und Rolltreppen. Die Ausstellungsräume waren von Glas und Stahlrohr dominiert, Elemente, die Gray später als eine der ersten im Möbel-Design umsetzen würde.
Es war vermutlich diese Erfahrung in Paris, der Stadt, die zu jener Zeit Mittelpunkt der Moderne und der Kunstszene zu sein schien, die Eileen Gray dazu bewegte ihren Wohnsitz nach Paris zu verlegen. 1913 stellte sie im Salon des Artistes Décorateurs zum ersten Mal eigene Werke aus, 1922 eröffnete sie ihren Laden Galerie Jean Désert, der unter anderem von James Joyce frequentiert wurde.

Die Villa E.1027

Eileen Gray hatte Zeit ihres Lebens Beziehungen mit sowohl Männern als auch Frauen. Ihre Bekanntschaft mit dem Architekten Jean Badovici stellte, neben der Weltausstellung in Paris, den zweiten großen Wendepunkt in ihrem Leben dar. Sie verliebte sich in ihn, und es war er, der sie ermutigte, sich an der Architektur zu versuchen, nachdem ihr Laden nicht mehr den gewünschten finanziellen Gewinn erbrachte.
Die Villa E.1027, die sie für sich und Badovici entwarf, ist Grays größtes Vermächtnis. Der Name der Villa setzt sich zusammen aus E für Eileen und den jeweiligen Platzierungen der Initialien Badovicis und Grays im Alphabet. Sie entwarf nicht nur das Haus, sondern auch die Inneneinrichtung selbst. Klassiker wie der Bibendum Chair und der Adjustable Table E1027 stammen aus jener Zeit. Geometrische Formen in ihren Teppichen, die Reduktion auf die Farben Grau, Schwarz und Weiß – die Einrichtung der von ihr entworfenen Villa könnte man noch immer als futuristisch bezeichnen, und das fast ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung. Als das Haus fertiggestellt war, trennte sich das Paar und Gray hinterließ Badovici die Villa.

Zerwürfnis mit Le Corbusier

Le Corbusier, ein gemeinsamer Freund des Paares, kehrte auch nach der Trennung immer wieder in die Villa zurück. Ende des zweiten Weltkrieges ließ sich Le Corbusier von Badovici die Tür öffnen und bemalte acht Wände des Hauses mit Abstrakten zum Teil obszönen Motiven – Grays Biograph bezeichnete das Ganze später als eine Vergewaltigung. Gray kam nie über diesen Eingriff in ihr Werk hinweg, kehrte nie wieder in die Villa zurück.
Kunsthistorikern werfen Le Corbusier vor, mitverantwortlich für die verhältnismäßig niedrige Wertschätzung gegenüber Grays immensen Einflusses auf modernes Design zu sein. Die Wandmalereien und die Tatsache, dass Le Corbusier ein eigenes Sommerhaus in unmittelbarer Nähe von E1027 baute, führte oft zu dem Missverständnis, dass die Villa von ihm entworfen wurde. Ein Missverständnis, das Le Corbusier selbst nie richtigstellte.
Eileen Gray selbst durfte es nicht mehr miterleben, aber es hätte ihr wohl ein Gefühl der Genugtuung verschafft: im Jahr 2009 wurde ihr Sessel Fauteuil aux Dragons für sage und schreibe 21.905.000 Euro verkauft und ist somit das teuerste Möbelstück des 20. Jahrhunderts. Eileen Gray starb im Jahr 1976 in Paris.

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