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Johannes

Wetterfrosch, Witzeonkel und Küchenwecker in einem: Amazon Echo im Test

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Lust auf eine Mitbewohnerin, die permanent lauscht, dafür aber zuverlässig Auskunft über das Wetter gibt, den Küchenwecker ersetzt und bei Bedarf wahnsinnig schlechte Witze erzählt? Genau. Ich auch nicht.

Trotzdem: Für ein paar Tage darf Amazons Echo bei mir einziehen. Nach dem offiziellen US-Verkaufsstart im Sommer 2015 und der UK-Premiere Ende September 2016, ist der Smart Speaker seit dem 26. Oktober letzten Jahres auch hierzulande zu haben. Fast jedenfalls: Noch ist das Produkt lediglich via „Einladung“ erhältlich.

Zum Start benötigt Echo mein WLAN-Passwort, eine App auf meinem Smartphone und die Verknüpfung zu meinem Amazon-Konto – dann kann es losgehen.

Ein schwarzer (oder weißer) Zylinder, unauffällig, nicht übermäßig ansprechend designed – die Optik macht Amazons Echo schon mal nicht zum „It-Piece“. Googles sprachgesteuerter Assistent „Google Home“ (Deutschlandstart irgendwann dieses Jahr) ist da deutlich attraktiver geraten. Egal, es geht ja ums Innenleben. Das schmucklose Äußere beherbergt Alexa, eine cloud-basierte künstliche Intelligenz. Geweckt wird diese durch eines von vier zur Auswahl stehenden Aktivierungswörtern (Alexa, Echo, Amazon oder Computer). Insgesamt sieben im Echo verbaute Mikrofone sorgen dafür, dass Alexa diese auch aus größerer Entfernung und bei störenden Hintergrundgeräuschen bestens hört.

Am Gerät selbst gibt es lediglich zwei Knöpfe: einen zum manuellen Einschalten von Alexa, einen zum Deaktivieren der Mikrofone – alles andere wird über Sprachbefehle oder die Alexa-App gesteuert. Die Lautstärke der Sprachausgabe lässt sich über einen Drehregler anpassen. Hört Alexa zu, leuchtet das Gerät blau, ist die Sprachfunktion deaktiviert, erscheint ein rotes Licht.

Beim ersten Dialog zeigt Alexa sich überraschend gesprächig:
„Alexa, guten Morgen!“ – „Guten Morgen. Heute ist Tag des Schaumbades. Ich finde, ein guter Plan für einen kalten Wintersonntag. Falls du es nicht ganz so ruhig magst, kannst du auch einfach eine Schaumparty machen. Du machst den Schaum, ich spiele die Musik. So oder so: ich wünsche dir viel Spaß dabei.“

Vielversprechend. Die Frage nach der aktuellen Wetterlage in Hamburg kann Alexa auch noch problemlos beantworten, als ich sie dann aber bitte, mir den Titel des letzten Albums von David Bowie zu nennen, ist sie damit bereits überfordert: „Entschuldigung, auf diese Frage habe ich leider keine Antwort.“ Auch wann Bowie starb, kann Alexa nicht in Erfahrung bringen – ebenso wenig, wie lange Pasta kochen sollte. „Alexa, warum weißt du so wenig?“ „Damit ich noch dazulernen kann.“ Der eigentliche Grund für ihre frustrierenden Wissenslücken: Alexa durchforstet das Internet mittels Bing, hat keinen Zugriff auf Google.

Immerhin: In Sachen Kalauern performt Alexa wie der junge Fips Asmussen – „Wie nennt man jemanden, der aus einem dicken Buch abschreibt? Einen Schinkenspicker.“ „Wohin geht der Spatz nach Feierabend? In eine Piep-Show.“ Mit etwas Glück dürfte da sogar eine eigene Comedy-Show bei Sat1. drin sein.

Jede Anfrage an Alexa wird in der Alexa-App protokolliert. Hier lässt sich auch Alexas relativ begrenzter Funktionsumfang erweitern – durch sogenannte „Skills“, die weitere Sprachbefehle ermöglichen. Drittanbieter wie Chefkoch oder die Deutsche Bahn bieten Rezepte und Fahrplanauskünfte an – nette kleine Gadgets, aber leider noch nicht ausgereift genug, um wirklich hilfreich zu sein. Wer über Amazons Echo Musik hören will, kann dafür sein Prime-Konto oder Dienste wie Spotify, iHeartRadio und TuneIn nutzen. Der Sound des Lautsprechers lässt jedoch zu wünschen übrig.

Die Spracherkennung von Alexa funktioniert bereits sehr gut – die Kommunikation mit dem Smart Speaker ist an vielen Stellen allerdings noch sehr rudimentär: Im Gegensatz zum Google Assistant, der kontextuell reagieren kann, scheitert Alexa bislang an Folgefragen.

Sämtliche Interaktionen mit Alexa laufen über die Server von Amazon, das Gerät hört ständig zu, auch wenn laut Amazon erst dann Daten in die Cloud geladen werden, wenn tatsächlich eine Anfrage gestellt wird. Die gesammelten Nutzerdaten sollen bei der Verbesserung der Spracherkennung helfen – eine Praxis, die bei Verbraucherschützern auf wenig Begeisterung stößt. Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für Datenschutz, wies im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel zum Deutschlandstart von Echo darauf hin, dass für Nutzer nicht ausreichend nachvollziehbar sei, „wie, in welchem Umfang und wo die erfassten Informationen verarbeitet werden“. Die taz nennt das Gerät gar „eine Datenschutzhölle“, „die Wanze von IM Alexa“.

Wer sich daran nicht stört, kann sich mit dem Amazon Echo für rund 180 Euro einen teuren Küchenwecker/Witzeonkel/Wetterfrosch anschaffen, der schnell an seine Grenzen stößt – oder warten, bis die offizielle Beta-Phase vorbei ist und Alexa tatsächlich zum nützlichen Haushaltshelfer wird...

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